Rheinische Post - vom 30.08.2008

Peinliche Fotos

VON MONIKA KLEIN

Autor Christian Linker las gestern in der Realschule am Stadtpark aus seinem neuen Jugendbuch. In „Blitzlichtgewitter“ werden Themen wie Mobbing via Handy und Gewaltvideos aufgegriffen.

Fabian ist enttäuscht und sauer, weil seine Freundin Becka mit ihm Schluss gemacht hat. Und er ist ziemlich besoffen bei der ersten Party, die beide als getrenntes Paar besuchen. Nur so kann er sich später selbst erklären, warum er nicht nur die Gelegenheit ergriff, peinliche Nacktfotos von seiner Ex zu machen, sondern die auch noch per MMS an die halbe Klasse zu verschicken. Schlimm genug, dass sich das im nüchternen Zustand nicht rückgängig machen lässt. Dummerweise wird er anonym angezeigt und dabei mit einem üblen Gewaltvideo in Verbindung gebracht, das seit Wochen an seiner Schule in Umlauf ist. Da bekommt der Titel „Blitzlichtgewitter“ direkt noch eine zweite Bedeutung.

Erst in vier Wochen wird das Jugendbuch auf dem Markt erscheinen. Aber Neuner- und Zehnerklassen der Realschule am Stadtpark, also Schüler im Alter von Fabian, kennen bereits einige Kapitel. Autor Christian Linker las gestern aus dem ersten Exemplar seines sechsten Buches vor. Es waren die ersten drei Lesungen der Reihe „Leseblitze“.

Mit Preisgeld finanziert

Termine an zwei weiteren Schulen sind geplant. Finanziert wird das Ganze aus dem Preisgeld, das die Leverkusener Autorin und Journalistin Maren Gottschalk als Kurt-Lorenz-Preis erhalten hat. Sie entschied sich, zusammen mit ihrem Lebensgefährten Claus Faika eine Initiative zur Leseförderung ins Leben zu rufen. Bei der ersten Lesung war die Initiatorin selbst dabei und sofort überzeugt, dass ihr Preisgeld gut angelegt ist. Denn bei der Lesung war es bald mucksmäuschenstill im Raum. Christian Linker, der einst selbst in Leverkusen zur Schule ging, hat mit dem Thema seines Neulings offenbar ein für Jugendliche reales Problem angesprochen. Ein Schüler erzählte in der anschließenden Fragerunde sogar von einem ähnlichen Fall, den er an seiner früheren Schule in Rheinland-Pfalz erlebt habe.

Besonders still wurde es, als die Polizei ins Spiel kam, die den fragwürdigen Helden wie einen Verdächtigen abführt. Als aus einer Schul- und Beziehungsgeschichte auf einmal ein Kriminalfall wurde. Was ist strafbar, was erlaubt? Dass man für die Verbreitung peinlicher Fotos belangt werden kann, war den meisten wohl nur in Verbindung mit Promis klar.

Rechtslage und Strafmaß sind tatsächlich nicht so eindeutig, erklärte Linker nach einem Schnelldurchgang durch sein neues Buch. Juristen, die er bei der Recherche befragte, seien da relativ überfordert. Doch darum geht es ihm in seinem Buch auch nicht in erster Linie. Er hat das Thema literarisch angepackt, wobei er sich gängiger Jugendsprache bediente. In „Blitzlichtgewitter“ ist keiner nur Täter oder nur Opfer, sondern zu unterschiedlichen Teilen beides. Deswegen lohnt sich das Lesen.


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